Die medizinische Landschaft erlebt derzeit einen seismischen Wandel, der oft als „Ozempic-Effekt“ bezeichnet wird. Die flächendeckende Verfügbarkeit von GLP-1-Agonisten hat dazu geführt, dass Patienten in Rekordzeit massiv an Gewicht verlieren. Doch wo das Fett schmilzt, bleibt die Haut zurück.
Für Plastische und Ästhetische Chirurgen bedeutet das Jahr 2026 eine Flutwelle an Body-Contouring-Eingriffen: Circular Body Lifts, Oberschenkelstraffungen und komplexe Abdominoplastiken stehen an der Tagesordnung. Diese Eingriffe unterscheiden sich fundamental von der klassischen Chirurgie: Wir sprechen hier von Wundstrecken, die oft 1 bis 2 Meter Gesamtlänge überschreiten.
Wer hier noch auf die klassische Einzelknopfnaht setzt, verliert den Kampf gegen die Uhr – und riskiert das Ergebnis. Dieser Artikel analysiert evidenzbasiert, warum moderne Barbed Sutures (Widerhakenfäden) wie Stratafix und V-Loc in diesem Szenario keine Option, sondern eine Notwendigkeit sind.
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1. Das klinische Problem: "Time is Tissue" bei Mega-Inzisionen
Bei einem Lower Body Lift nach massivem Gewichtsverlust (MWL) ist die Zeit der Gegner. Lange Operationszeiten korrelieren direkt mit:
- Erhöhtem Infektionsrisiko (SSI): Jede Minute offener Situs erhöht die Bakterienlast.
- Hypothermie & Koagulopathie: Auskühlung führt zu schlechterer Blutgerinnung.
- Wirtschaftlichkeit: Jede OP-Minute kostet Geld (Personal, Narkose).
Die Limitation der Standard-Naht:
Ein mehrschichtiger Wundverschluss über 150 cm Inzisionslänge mit klassischen, glatten Fäden (z.B. Vicryl oder Polysorb) und Einzelknöpfen ist extrem zeitaufwendig. Zudem erzeugt jeder Knoten einen Punkt maximaler Spannung. Dies führt zu lokalen Ischämien am Wundrand – einer der Hauptgründe für Wundheilungsstörungen bei post-bariatrischen Patienten.
2. Die Lösung: Physik statt Knoten – Die Revolution der Barbed Sutures
Die Antwort der Industrie sind knotenlose Widerhakennähte. Das Prinzip ist genial einfach: Mikroskopisch kleine Widerhaken sind spiralförmig in den Faden geschnitten. Sie verankern sich im Gewebe und machen Knoten überflüssig.
Warum ist das für Body Contouring entscheidend?
- Spannungsverteilung: Anstatt die Spannung auf wenige Knotenpunkte zu konzentrieren, verteilen Widerhaken die Last gleichmäßig auf jeden Millimeter der Nahtstrecke. Das Ergebnis: Eine bessere Mikrozirkulation am Wundrand.
- Geschwindigkeit: Studien zeigen eine Zeitersparnis beim Wundverschluss von bis zu 50% im Vergleich zur konventionellen Naht. Bei einer großen Straffungs-OP spart dies oft 30–45 Minuten reine Nähzeit.
Der Marktführer-Vergleich: Stratafix vs. V-Loc
Auf naht-material.de führen wir die beiden Champions dieser Technologie. Doch wann nutzen Sie welchen?
| Feature | Stratafix (Ethicon) | V-Loc (Medtronic) |
|---|---|---|
| Technologie | Verfügbar als Spiral (unidirektional) und Symmetric (bidirektional). | Primär Unidirektional mit Endschlaufe. |
| Klinischer Vorteil | Symmetric: Ermöglicht Start in der Wundmitte. Zwei Chirurgen können gleichzeitig nähen. Ideal für lange Abdominoplastiken. | Loop-Design: Extrem schneller Start durch Endschlaufe. Perfekt für laparoskopische Eingriffe. |
| Verfügbarkeit | ➜ Zu den Ethicon Produkten | ➜ Zu den V-Loc Produkten |
Experten-Tipp: Für die Faszie (Rectusdiastasen-Raffung) ist Stratafix Symmetric PDS oft der Goldstandard, da die bidirektionale Technik eine extrem flache, spannungsfreie Adaptation ohne „Wulstbildung“ ermöglicht.
3. Materialkunde: Das richtige Polymer für die richtige Schicht
Der Erfolg einer Body-Contouring-OP steht und fällt mit der Schichtung. Ein „One-Size-Fits-All“-Faden existiert nicht.
A. Die Tiefe: Faszien & Scarpa-Faszie (Langzeithalt)
Hier lastet das gesamte Gewicht des Gewebes. Ein Faden, der zu schnell an Kraft verliert, führt zum Rezidiv. Die Wahl fällt hier auf Polydioxanon (PDS II / PDS Plus).
- Warum? PDS ist ein Monofilament, das über Wochen stabil bleibt. Nach 6 Wochen hat es noch ca. 50% Reißkraft. Das gibt dem bindegewebsschwachen Post-Bariatrie-Patienten genug Zeit zur Heilung.
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B. Die Subkutis & Dermis (Spannungsentlastung)
Hier muss der Faden den Wundrand adaptieren, ohne zu strangulieren. Ideal sind Monocryl oder Vicryl.
- Warum? Monocryl ist monofil und gleitet traumatisierungsfrei. Es verliert seine Kraft schneller (nach 14 Tagen ca. 20-30% Restkraft), was für die Haut ideal ist.

4. SSI-Prävention: Warum Triclosan kein "Upsell", sondern Pflicht ist
Patienten nach massivem Gewichtsverlust haben oft Mangelerscheinungen und eine schlechtere Immunabwehr. Das Risiko für Wundinfektionen (SSIs) ist signifikant erhöht.
Die Plus-Technologie von Ethicon (oder äquivalente Beschichtungen) imprägniert den Faden mit Triclosan. Meta-Analysen belegen, dass Triclosan-beschichtete Fäden das Risiko von SSIs um ca. 30% senken. Angesichts der Kosten einer einzigen Wundrevision ist der geringe Aufpreis für Plus-Fäden eine Investition in die Patientensicherheit.
5. Das Finish: Jenseits der Naht – Wundmanagement
Der Verschluss ist erst perfekt, wenn die Exsudat-Produktion gemanagt wird. Post-Bariatrische Wunden "weinen" oft, was zur Mazeration der Wundränder führt.
Wir empfehlen den Einsatz von Superabsorbern wie Vliwasorb (Lohmann & Rauscher). Sie binden große Mengen Flüssigkeit unter Kompression, ohne die Wunde auszutrocknen oder mit dem Nahtmaterial zu verkleben.
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Zusammenfassung: Ihr Einkaufszettel für den "Body-Contouring-Erfolg"
- Faszien & Tiefe: Ethicon Stratafix Symmetric PDS (Stärke 0 oder 1)
- Subkutis: Stratafix Spiral Monocryl – für schnellen Verschluss ohne Knoten.
- Infektionsschutz: Ausschließlich Plus-Varianten (Triclosan) verwenden.
- Wundauflage: Vliwasorb oder Mepilex Border für das Flüssigkeitsmanagement.
Investieren Sie in Technologie, nicht in OP-Überstunden.
Haftungsausschluss: Dieser Artikel dient ausschließlich der Information für medizinisches Fachpersonal. Maßgeblich sind stets die Gebrauchsanweisungen (IFU) der Hersteller.


Chirurgisches Nahtmaterial: Der große Guide zu Auswahl, Nadeln & Anwendung